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Di
14
Dez
2021

Wolfsgebiet Eifel – Hohes Venn: Erneute Nachweise der territorialen Wölfin im Hohen Venn bei Monschau und Nachweis eines Alpenwolfs im Nationalpark Eifel


 

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt weitere Wolfsnachweise in der Städteregion Aachen und in den Kreisen Euskirchen und Düren.

Am 29. September 2021 und am 18. Oktober 2021 wurden im Hohen Venn bei Monschau (Städteregion Aachen) erneut Schafe von einem Wolf getötet. Genetische Untersuchungen der Abstrichproben durch das Senckenberg Forschungsinstituts Gelnhausen haben nachgewiesen, dass es sich um die Wölfin mit der Kennung GW1943f handelte, die sich seit Dezember 2020 vorwiegend im belgischen Teil des Hohen Venns bewegt und dort zusammen mit dem Wolfsrüden GW926m ein Rudel gegründet hat; am 25. Juni 2021 wurden in Belgien drei Wolfswelpen fotografiert, die diesem Paar zuzuordnen sind.

Am 10. September 2021 wurde im Nationalpark Eifel (Gemeinde Schleiden, Kreis Euskirchen) ein Rotwildkalb gefunden, das von einem Wolfsrüden mit der Kennung GW2391m getötet und befressen worden war. Im Frühsommer 2021 war dieses Individuum bereits im Raum Büllingen-Bütgenbach in Belgien genetisch erfasst worden. Der Wolf trägt als genetisches Merkmal den Haplotyp HW22, der für die Alpenpopulation (Italien, Frankreich, Schweiz) kennzeichnend ist. Aktuell bleibt abzuwarten, ob der Wolf im Gebiet bleiben wird oder weiterzieht. Nach den bundeseinheitlichen Monitoringstandards gilt ein Wolf als territorial, wenn er in Zeitraum von mindestens sechs Monaten in einem Gebiet individuell nachgewiesen wird. Wolfsterritorien haben in Deutschland eine Größe von durchschnittlich ungefähr 200 km2.

Am 10. Oktober 2021 wurde an einem gerissenen Reh im Kreis Düren (Gemeinde Hürtgenwald) ebenfalls ein Wolf mit dem Haplotyp HW22 erfasst. In dem Fall war eine Individualisierung nicht möglich; daher bleibt ungeklärt, um welchen Wolf es sich gehandelt hatte. Wölfe verlassen bis spätestens Ende des zweiten Lebensjahres das elterliche Rudel und wandern dann weit umher, z.T. mehrere hundert Kilometer weit. Dass Wölfe aus der Alpenpopulation Nordwest-Deutschland erreichen, ist daher nicht ungewöhnlich. Zuvor konnten bereits vier weitere Wolfsrüden aus der Alpenpopulation nachgewiesen werden, die sich vorübergehend in Nordrhein-Westfalen aufgehalten hatten: GW1559m (Februar 2020 im Rheinisch-Bergischen-Kreis), GW1920m (November 2020 im Kreis Viersen), GW2119m (Mai 2021 in Köln) und GW2402m (November 2021 im Kreis Kleve); ihr Verbleib ist aktuell nicht bekannt.

Den Halterinnen und Haltern von Schafen, Ziegen und Gehegewild im Wolfsgebiet Eifel – Hohes Venn und in der umgebenden Pufferzone wird empfohlen, ihre Tiere mit geeigneten Zäunen wolfsabweisend zu sichern. In den Wolfsgebieten und in den Pufferzonen werden Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise die Anschaffung wolfsabweisender Elektrozäune zu 100 Prozent gefördert. Im Wolfsgebiet Eifel – Hohes Venn können gemäß Förderrichtlinien Wolf vom 03. Februar 2017, zuletzt geändert am 17. März 2020 nur dann Entschädigungsleistungen für nachweislich von einem Wolf getöteten Schafe, Ziegen oder Gehegewild gewährt werden, wenn ein wolfsabweisender Grundschutz vorhanden ist. Erläuterungen zu „Vorgaben zu wolfsabweisenden Präventionsmaßnahmen für Weidetiere und Gehegewild (Grundschutz i.S. der Förderrichtlinien Wolf)“ sowie Informationen zu Entschädigungsleistungen und Fördermöglichkeiten von Herdenschutzmaßnahmen bietet die Bezirksregierung Köln: https://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/leistungen/abteilung05/51/foerderung/wolf/index.html.

  • Die Landwirtschaftskammer NRW bietet eine kostenlose Beratung zum praktischen Herdenschutz für alle Weidetierhalterinnen und -halter an: https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tierproduktion/herdenschutz/weidetierschutz.htm.
  • Weitere Informationen zum Wolfsgebiet Eifel – Hohes Venn und zu Wolfsnachweisen in Nordrhein-Westfalen sind zu finden unter https://wolf.nrw/.
  • Bei Haus- und Nutztierschäden mit Wolfsverdacht ist es wichtig, innerhalb von 24 Stunden eine Probenahme für die genetische Auswertung zu sichern. Betroffene Tierhalterinnen und Tierhalter sind gebeten, sich unmittelbar nach dem Auffinden getöteter Tiere an das Landesumweltamt (LANUV) zu wenden. Außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende ist dies über die Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUV möglich: Tel.: 0201-714488, werktags steht die Zentrale des LANUV zur Verfügung: Tel.: 02361-305-0.