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Mi
23
Feb
2022

Wolfsgebiet Oberbergisches Land: Im Rhein-Sieg-Kreis bei Verkehrsunfällen getötete Jungwölfe stammen aus dem Rudel Leuscheid


 

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt Wolfsnachweise im Rhein-Sieg-Kreis.

Am 21. Januar 2022 wurden in Hennef (Sieg) tote Schafe aufgefunden. Genetische Untersuchungen des Senckenberg Forschungsinstituts in Gelnhausen haben bestätigt, dass diese Schafe von Wölfen getötet und befressen wurden. Eindeutig identifiziert werden konnte der Wolfsrüde GW1896m, der spätestens im März 2021 zugewandert war und den Vaterrüden GW1159m des Leuscheider Rudels ersetzt hat. GW1159m wurde zuletzt im Dezember 2020 genetisch nachgewiesen und ist verschollen.

Im Januar 2022 wurden im Rhein-Sieg-Kreis zwei Wölfe bei Verkehrsunfällen getötet. Die genetische Untersuchung von Gewebeproben der getöteten Tiere hat ihre Herkunft aufgeklärt. Es handelte sich in beiden Fällen um männliche Nachkommen der Wölfin GW 1415f und des Rüden GW1896m; sie gehören somit zum Wolfsrudel Leuscheid. Der erste Wolfsrüde mit der Kennung GW2486m war am 15. Januar 2022 auf der Landstraße L86 in Eitorf verunfallt. Der zweite Wolfsrüde mit der Kennung GW2481m wurde am 20. Januar 2022 auf der Landstraße bei Hennef (Sieg) bei einem Verkehrsunfall getötet. Beide Wölfe werden zurzeit im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin auf Verletzungen, Krankheiten, Parasiten etc. untersucht. Am 20. Januar 2022 wurde im Landkreis Altenkirchen, kurz hinter der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die ebenfalls 2021 geborene Wölfin GW2480f aus dem Leuscheider Rudel durch einen Verkehrsunfall verletzt.

Im September 2021 waren für das Leuscheider Rudel sieben Welpen fotografisch nachgewiesen worden. Mittlerweile sind sechs Welpen auch genetisch bekannt. Neben den genannten Individuen wurden über Kotproben im rheinland-pfälzischen Teil des Territoriums noch die beiden männlichen Nachkommen GW2439m und GW2478m sowie ein weibliches Jungtier GW2479f erfasst.

Von den im Jahr 2020 geborenen und genetisch nachgewiesenen sieben Welpen wurden in den letzten Monaten nur noch zwei Jährlingsfähen GW1999f und GW1955f nachgewiesen. Jungwölfe verlassen zu individuell unterschiedlichen Zeitpunkten und in der Regel spätestens im Alter von zwei Jahren das elterliche Territorium, wenn sie geschlechtsreif werden. Jährlinge beiderlei Geschlechts beteiligen sich bis zu diesem Zeitpunkt an der Versorgung der Welpen.

Im Territorium Leuscheid bewegen sich die Mitglieder des Rudels nach aktueller Kenntnis auf nordrhein-westfälischer Seite im Bereich der Stadt Hennef (Sieg) und der Gemeinden Eitorf und Windeck im Rhein-Sieg-Kreis; auf rheinland-pfälzer Seite reicht das Territorium bis in die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld im Landkreis Altenkirchen und in die Verbandsgemeinde Asbach im Landkreis Neuwied. Wolfsterritorien habe in Deutschland eine Größe von durchschnittlich ungefähr 200 km2; das Leuscheider Rudel durchstreift derzeit ein deutlich größeres Gebiet von etwa 300 km2.

In den vergangenen Monaten sind den Wölfen im Territorium Leuscheid zahlreiche Nutztiere (vorwiegend Schafe) zum Opfer gefallen. Eine detaillierte Übersicht findet sich im Wolfsportal https://wolf.nrw/wolf/de/management/nutztierrisse. Eine wolfsabweisende Zäunung minimiert nachweislich das Risiko eines Wolfsübergriffs. Den Halterinnen und Haltern von Schafen, Ziegen und Gehegewild im Wolfsgebiet Oberbergisches Land und in der umgebenden Pufferzone wird dringend empfohlen, ihre Tiere mit geeigneten Zäunen wolfsabweisend zu sichern.

Weidetierhalterinnen und -halter aus NRW, die sich wegen der aktuellen Wolfsrisse Sorgen um ihre Tiere machen, können Fragen zum Herdenschutz an eine zentrale Servicehotline Herdenschutz bei der Landwirtschaftskammer NRW richten. Damit wird die Kontaktaufnahme zu den Expertinnen und Experten der Kammer vereinfacht. Besorgte und betroffene Tierhalterinnen und Tierhalter sind eingeladen, sich über die Hotline telefonisch über Herdenschutzmaßnahmen, aktuelle Fördermöglichkeiten und das Antragsverfahren zu informieren. Bei Bedarf können nach telefonischem Erstkontakt Vor-Ort-Beratungstermine vereinbart werden.

Die Durchwahl der Servicehotline Herdenschutz ist 0 29 45 / 98 98 98.

Die Hotline ist von montags bis donnerstags in der Zeit zwischen 8 und 17 Uhr, freitags zwischen 8 und 13 Uhr besetzt. Darüber hinaus können rund um die Uhr Beratungstermine über den Anrufbeantworter der Hotline oder über die Mailadresse herdenschutz@lwk.nrw.de angefragt werden.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich die fachliche Antragsprüfung sehr aufwändig gestaltet, da häufig Nachfragen zu den eingereichten Anträgen erforderlich sind. Den Antragstellerinnen und Antragstellern wird daher dringend empfohlen, bereits im Vorfeld eines Förderantrags das kostenlose Beratungsangebot der Herdenschutzberatung der Landwirtschaftskammer zu nutzen. Mit dieser frühzeitigen Beratung lässt sich die Antragstellung und -prüfung erleichtern und somit das Bewilligungsverfahren insgesamt beschleunigen und dürfte somit auch im Interesse der antragstellenden Weidetierhaltungen liegen. https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tierproduktion/herdenschutz/herdenschutz-nrw.htm

Bei Haus- und Nutztierschäden mit Wolfsverdacht ist es wichtig, innerhalb von 24 Stunden eine Probenahme für die genetische Auswertung zu sichern. Betroffene Tierhalterinnen und Tierhalter sind gebeten, sich unmittelbar nach dem Auffinden getöteter Tiere an das Landesumweltamt (LANUV) zu wenden. Außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende ist dies über die Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUV möglich: Tel.: 0201-714488, werktags steht die Zentrale des LANUV zur Verfügung: Tel.: 02361-305-0

Weitere Informationen zum Wolfsgebiet Oberbergisches Land und zu Wolfsnachweisen in Nordrhein-Westfalen sind zu finden unter https://wolf.nrw/wolf.

Informationen zu Wolfsnachweisen in Rheinland-Pfalz sind auf der Seite des Koordinationszentrum Luchs und Wolf (KLUWO) der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz zu finden unter https://fawf.wald.rlp.de/de/forschung-und-monitoring-unsere-aufgaben/koordinationszentrum-luchs-und-wolf/wolf/wolfsnachweise-rheinland-pfalz/

Informationen zum genetischen Wolfsmonitoring des Senckenberg Forschungsinstituts Gelnhausen: https://www.senckenberg.de/de/presse/wolfsmonitoring-faq/

Informationen zu Untersuchungen an toten Wölfen durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.: https://www.izw-berlin.de/de/gesundheitszustand-und-krankheiten-in-der-mitteleuropaeischen-tieflandwolfpopulation.html

Informationen zu Vorkommen von Wölfen in Deutschland sind auf der Homepage der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zu finden: https://www.dbb-wolf.de/

Weitere Informationen zum Vorkommen und zum Verhalten des Wolfs in Deutschland auf der Homepage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit https://www.bmu.de/themen/natur-biologische-vielfalt-arten/artenschutz/nationaler-artenschutz/der-wolf-in-deutschland/#c22616