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19
Mai
2022

Wolfsgebiet Schermbeck: Vierter Welpe des Schermbecker Rudels genetisch identifiziert, Jungwolf aus Niedersachsen auf der A2 bei Bottrop getötet und neuer Wolfsnachweis in Reken


 

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt weitere Wolfsnachweise im Kreis Wesel, in Bottrop und im Kreis Borken.

An einer am 14. Januar 2022 in Hünxe (Kreis Wesel) gefundenen Losung hat das Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen genetisches Material von einem weiteren Nachkommen des Schermbecker Wolfsrudels festgestellt. Es handelt sich um ein männliches Jungtier mit der Kennung GW2596m. Somit sind jetzt vier Welpen des territorialen Wolfspaares aus dem Geburtsjahr 2021 genetisch individualisiert. Es handelt sich um ein weibliches Jungtier (GW2307f) und insgesamt drei männliche Jungtiere (GW2428m, GW2551m und GW2596m). Jungwölfe verlassen zu individuell sehr unterschiedlichen Zeitpunkten das Territorium ihrer Eltern; daher ist die aktuelle Zahl der Rudelmitglieder nicht bekannt.

Am 02. Mai 2022 um 9:05 Uhr wurde auf der Autobahn A 2 im Autobahndreieck Bottrop ein Wolf im Straßenverkehr getötet. Das Tier kam von Süden und versuchte die Autobahn zu queren. Der Tierkörper wurde von der Autobahnmeisterei geborgen und dem LANUV übergeben. Es handelt sich um einen männlichen Jungwolf mit der Kennung GW2622m. Er stammt aus dem niedersächsischen Wolfsrudel Nordhorn und wurde entweder 2020 oder 2021 geboren. Wie alle in NRW tot aufgefundenen Wölfe wird auch dieser im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin auf Verletzungen, Krankheiten, Parasiten etc. untersucht.

Bereits am Sonntag, dem 01. Mai 2022, wurden dem LANUV aus dem Stadtgarten in Bottrop mehrere Sichtungen eines wolfsähnlichen Tieres gemeldet. Diese Beobachtungen stehen möglicherweise im Zusammenhang mit dem verunfallten Wolf. Dass Wölfe in innerstädtischen Bereichen auftauchen, geschieht eher selten, ist aber nicht gänzlich auszuschließen. Wölfe verlassen bis spätestens dem Ende des zweiten Lebensjahres das elterliche Rudel und wandern dann weit umher, z.T. mehrere hundert Kilometer. Dabei bewegen sie sich in für sie unbekanntem Gelände. Wissenschaftliche Studien mit besenderten Wölfen belegen, dass abwandernde Jungwölfe, die z. B. über Grüngürtel in dicht besiedelte innerstädtische Gebiete geraten, diese schnell wieder zu verlassen suchen.

Am 07. Mai 2022 wurde gegen 18 Uhr ein Wolf beobachtet, der nördlich von Reken (Kreis Borken) über ein Feld lief. Der Beobachtungsort wurde von dem regional zuständigen Wolfsberater untersucht. Das Bildmaterial wurde vom LANUV und von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) geprüft. Geschlecht, Identität und Verbleib des Wolfes sind nicht bekannt.

Weitere neue Wolfsnachweise aus dem Wolfsgebiet Schermbeck, darunter genetisch bestätigte Kot- oder Urinspuren, bestätigte Fotofallenaufnahmen und Sichtbeobachtungen mit Foto oder Video, sind im Wolfsportal des LANUV NRW einsehbar https://wolf.nrw/wolf/de/nachweise/.

Seit 2018 sind den Wölfen im Territorium Schermbeck zahlreiche Nutztiere zum Opfer gefallen. Eine detaillierte Übersicht findet sich im Fachinformationssystem des LANUV NRW (Wolfsportal) https://wolf.nrw/wolf/de/management/nutztierrisse. Eine wolfsabweisende Zäunung minimiert nachweislich das Risiko eines Wolfsübergriffs. Den Tierhalterinnen und Tierhaltern im Wolfsgebiet Schermbeck und in der umgebenden Pufferzone wird dringend empfohlen, ihre Tiere mit geeigneten Zäunen wolfsabweisend zu sichern. Gemäß den Vorgaben der Förderrichtlinien Wolf ist in den Wolfsgebieten ist der Nachweis eines wolfsabweisenden Grundschutzes eine Voraussetzung für die Entschädigung bei Übergriffen auf Schafe, Ziegen und Gehegewild.

Weidetierhalterinnen und -halter aus NRW können Fragen zum Herdenschutz an eine zentrale Servicehotline Herdenschutz bei der Landwirtschaftskammer NRW richten. Damit wird die Kontaktaufnahme zu den Expertinnen und Experten der Kammer vereinfacht. Besorgte und betroffene Tierhalterinnen und Tierhalter sind eingeladen, sich über die Hotline telefonisch über Herdenschutzmaßnahmen, aktuelle Fördermöglichkeiten und das Antragsverfahren zu informieren. Bei Bedarf können nach telefonischem Erstkontakt Vor-Ort-Beratungstermine vereinbart werden.

Die Durchwahl der Servicehotline Herdenschutz ist 0 29 45 / 98 98 98.

Die Hotline ist von montags bis donnerstags in der Zeit zwischen 8 und 17 Uhr, freitags zwischen 8 und 13 Uhr besetzt. Darüber hinaus können rund um die Uhr Beratungstermine über den Anrufbeantworter der Hotline oder über die Mailadresse herdenschutz@lwk.nrw.de angefragt werden.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich die fachliche Antragsprüfung sehr aufwändig gestaltet, da häufig Nachfragen zu den eingereichten Anträgen erforderlich sind. Den Antragstellerinnen und Antragstellern wird daher dringend empfohlen, bereits im Vorfeld eines Förderantrags das kostenlose Beratungsangebot der Herdenschutzberatung der Landwirtschaftskammer zu nutzen. Mit dieser frühzeitigen Beratung lässt sich die Antragstellung und -prüfung erleichtern und somit das Bewilligungsverfahren insgesamt beschleunigen und dürfte somit auch im Interesse der antragstellenden Weidetierhaltungen liegen. https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tierproduktion/herdenschutz/herdenschutz-nrw.htm

Bei Haus- und Nutztierschäden mit Wolfsverdacht ist es wichtig, innerhalb von 24 Stunden eine Probenahme für die genetische Auswertung zu sichern. Betroffene Tierhalterinnen und Tierhalter sind gebeten, sich unmittelbar nach dem Auffinden getöteter Tiere an das Landesumweltamt (LANUV) zu wenden. Außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende ist dies über die Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUV möglich: Tel.: 0201-714488, werktags steht die Zentrale des LANUV zur Verfügung: Tel.: 02361-305-0

Informationen zum Wolfsgebiet Schermbeck und zu Wolfsnachweisen in Nordrhein-Westfalen sind zu finden im Fachinformationssystem des LANUV unter https://wolf.nrw/.

Über aktuelle Nachweise von Wölfen in NRW können Sie sich über das Umweltportals NRW des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen automatisch informieren lassen: https://www.umweltportal.nrw.de/abo-service

Informationen zum genetischen Monitoring des Forschungsinstitut Senckenberg Gelnhausen: https://www.senckenberg.de/de/presse/wolfsmonitoring-faq/

Informationen zu Untersuchungen an toten Wölfen durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.: https://www.izw-berlin.de/de/gesundheitszustand-und-krankheiten-in-der-mitteleuropaeischen-tieflandwolfpopulation.html

Informationen zu Wolfsnachweisen in Deutschland sind zu finden auf der Homepage der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW): https://www.dbb-wolf.de/.

Weitere Informationen zum Vorkommen und zum Verhalten des Wolfs in Deutschland auf der Homepage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz: https://www.bmuv.de/themen/naturschutz-artenvielfalt/artenschutz/nationaler-artenschutz/der-wolf-in-deutschland